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Carola Czempik

Index

  1. Poesie der Materie von Jo Eckhardt, Galeristin, Berlin
  2. Laudatio von Andrea Richter Mahlo, Kunsthistorikerin, Leipzig
  3. Farbe und Transparenz von Constanze Albrecht, Kunsthistorikerin, Berlin
  4. Stein_zeichen von Ernst Schneider, Künstler und Galerist/Ottersweier (Baden)
  5. flieg ich von Michaela Nolte, Journalistin, Autorin und Kuratorin, Berlin
  6. Windwechsel von Michaela Nolte, Journalistin, Autorin und Kuratorin, Berlin
  7. Ganz Innen von Annette Göschel, Kunstpädagogin, Kunsthof Galm
  8. MATERIA von Michaela Nolte, Journalistin, Autorin und Kuratorin, Berlin


Stein_zeichen
Text zum Werk von Carola Czempik anlässlich der Ausstellung "Stein_Zeichen" vom 21. August bis 14. Sept. 09 im Friedrichsbau in Bühl

"Wohne seit langem am Boden der Flüsse" schreibt Sarah Kirsch in einem ihrer Gedichte und entwirft damit ein Zuhause, eine Befindlichkeit und eine Sicht der Welt, der die Künstlerin Carola Czempik und ihrem Werk sehr nahe steht. Mit ihren Bildern scheint die Malerin auf diese Flussgründe zu blicken, dorthin wo Schatten von Tieren und Pflanzen huschen und sich Steine sammeln, in verschiedenen Farben glänzend, oft fast völlig im angeschwemmten Sand versteckt. Dort herrscht lebendige Stille, und die wird auch in den Bildern von Carola Czempik spürbar. Nur, die Wasser sind abgelaufen und der pure Grund liegt in einer großen Vielfalt feingliedriger Materialstrukturen und einfacher Formen wie fossile Relikte einer fernen Zeit vor dem Betrachter. Solche Bilder entstehen in einem Prozess "umgekehrter Archäologie". Die Künstlerin gräbt nicht um zu finden, sondern orientiert sich am urzeitlichen Werden und Vergehen der Natur. Sie baut ihre "Malgründe" Schicht für Schicht aus verschiedensten Gesteinsmehlen, Geweben, Papier, Pflanzenfasern und Wachs bis sich die Materialien auf den Leinwänden zu elementaren Formen versteinern (Haus?, Fisch?, Blatt?, Vase? Kleid?, Figur?).
Dabei arbeitet sie souverän im Klein - und Großformat und versteht es den Aufbau der Bilder mit einer gekonnten aber völlig unaufdringlichen Strenge im Gleichgewicht zu halten.
Nie sind die Formen vollplastisch dargestellt, sondern bleiben oft materialgleich getarnt und eingebettet in ihre Umgebung, nur durch eine andere Farbgebung als eigenständige Wesen identifizierbar. Mit dem bevorzugten Bildtitel Monaden entzieht die Künstlerin ihre Werke einer eindeutigen gegenständlichen Zuordnung und verweist mit diesem Begriff auf die Philosophie. Leibniz definiert Monade als "metaphysisches Atom" und hält damit die Bedeutung in der Schwebe zwischen Geist und Materie. Dieses dualistische Spannungsfeld findet sich sehr anschaulich auch im Werk von Carola Czempik.
So verweist die zurückhaltende Art verschiedenste Materialqualitäten einzusetzen und Motive bedeutungsoffen als flächig reduzierte Erscheinungen zu präsentieren klar auf den geistigen Anspruch, der in ihren Bildern steckt. Eine bloße Zuordnung der Werke auf "die Poesie des Materials" würde absolut zu kurz greifen.
Es ist dieser Ausstieg aus der Welt der Dinge, aus einer aufdringlichen Farbigkeit, dem Lärm, der Geschwindigkeit und dem Hochhinaus, die an der Kunst von Carola Czempik faszinieren. Immer verknüpft mit einer Präsentation bei der sich Bescheidenheit und Bestimmtheit überzeugend verbinden.
Wie könnte man es besser sagen als mit dem Zitat von Sarah Kirsch:
"Wohne seit langem am Boden der Flüsse".

Ernst Schneider
Künstler und Galerist/Ottersweier (Baden)

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